Spielerein - Teil 1

"Seid ma endlich still!", keifte die jugendliche Zatika, doch die beiden kleinen Gören zankten sich munter weiter, spielerisch herausfindend, wer von beiden wohl die Stärkere war. "Ahhh", schrie die kleine Lilith auf als sie von ihrer Schwester Azhyma in den Arm gebissen wurde. Kurz darauf folgte aber auch ein Schmerzenschrei aus Azhymas Mund als die kleine Lilith sie grob an den Haaren zog. "Wo bleiben bloß die Alten?", raunte Zatika sichtlich genervt und ließ ihren Kopf gelangweilt leicht hin- und herbaumeln. Es wurde langsam spät und sie wollte doch noch unbedingt hinaus in Stadt, und nicht auf die zwei kleinen Scheißer aufpassen, welche eh nie etwas besseres zu tun hatten als sich zu kabbeln.

Zatika kippelte mit ihrem Stuhl nach hinten und blickte nach oben an die Zimmerdecke und stöhnte jämmerlich, lange würde sie dies alles hier nicht mehr aushalten, sie wollte endlich frei sein, unabhängig. Sie wartete nur noch auf den richtigen Moment, einie günstige Gelegenheit in ihr eigenes Leben zu starten. In ihren Gedanken blendete sie den Tumult den ihre Schwestern verursachten aus, und malte sich in einem Tagtraum ihre wundervolle Zukunft. Ein eigenes schmuckes Heim, Reichtümer, Erfolg und was sonst noch alles dazu gehörte.

Abrupt wurde sie aus ihrem Traum geschleudert, als sie ein flauschiges Stoffmonster direkt ans Kinn traf. Ihre Konzentration und Balance wurde dadurch regelrecht vernichtet und sie krachte samt Stuhl nach hinten um und landete mit dem Hinterkopf unsanft auf dem Holzboden. Der Schmerz zwiebelte fürchterlich und Zatika sah für ein paar Augenblicke lauter Sterne vor ihren Augen herumtanzen. Gemächlich wieder klarer werdend nahm sie flüsternde Stimmen war. "Ist sie tot?", fragte die eine. "Du hast sie umgebracht!", kicherte die andere. Zatika richtete sich langsam wieder auf, rieb vorsichtig ihren schmerzenden Schädel und fing die beiden Unholde mit ihrem erzürnten Blick ein, welche sie darauf mit größer werden Augen ansahen. Zornig knurrte Zatika ihre beiden jüngeren Schwestern an. So verging Azhyma schnell das freche kichern, und Lilith konnte nur noch schwer schlucken.

"Na wartet!", brüllte die tobende Zatika, "Jetzt seit ihr dran, heute gibts kleine Biester-Braten zum Abendessen!", was die kleinen castanic Mädchen zum panischen davonrennen brachte. Azhyma flüchtete in Richtung Küche und Lilith hetzte in Richtung elterliches Schlafzimmer. Zatika folgte Lilith mit demonstrativ stapfenden Schritten und riss die ebend zugeknallte Holztür des Schlafzimmers wieder auf. Wie ein entfesselter Dämon stand sie da in der Tür und spähte durch das dunkle Zimmer auf der Suche nach ihrem ersten Opfer.